Was wiegt ein Harmonium?

Ein Harmonium kann mit vier kräftigen Personen getragen werden und wiegt ca. 150 – 200kg. Musik ist schwer, aber gemeinsam immer machbar!

Zum Aus – Einladen aus dem Fahrzeug sollte immer eine solche Anzahl an Personen bereit stehen, auch bei Treppen, Stufenanlagen und Bühnen.

Ansonsten besitzen alle unsere Instrumente entsprechende Transportwägen für ebene Strecken.
Können wir das Instrument bei Ihnen abholen?

Nein, dies ist nicht möglich. Alle unsere Instrumente sind aufwändig restaurierte, historisch wertvolle Einzelstücke. Jeder Schaden an historischer Substanz ist ein Verlust, daher versuchen wir aus Erfahrung dieses Risiko um den Faktor Transport soweit als möglich gering zu halten.

Bei weiteren Entfernungen zu unserer Werkstätte können ggfls. Fachspeditionen diese Aufgabe übernehmen. Sprechen Sie uns bitte konkret an.
Was kostet uns ein Ausleihen eines Instruments?

Wir bearbeiten die Kosten immer individuell. Bitte lassen Sie sich ein Angebot erstellen.

Um Ihnen aber vorab eine Vorstellung zu geben:

Als Basis liegt die Grundgebühr pro Woche für die Instrumente zwischen 240,00€ und 280,00€.

Dazu kommen: Die Fahrtkosten (0,40€ pro Kilometer), die Fahrtzeit mit 36,00 € pro Stunde und abschließend die gesetzliche Mehrwertsteuer von 19%. Sie erhalten nach Beendigung und ordentlicher Übergabe des Instruments eine Rechnung.
Rollwägen für eine Mobilität vor Ort, Decken und ein passender Spezialstuhl sind immer enthalten.

Alle Instrumente werden ab Standort Sachsenheim verliehen.
Wer kann das Instrument spielen? Muss man es lernen?

Prinzipiell kann jeder Pianist, Cembalist oder Organist ein Druckwindharmonium spielen, jedoch ist ausreichende Übung erforderlich.

Aus jahrelanger Erfahrung soll folgender Grundsatz gelten:

Am ersten Tag verzweifelt man, am zweiten Tag bekommt man eine Ahnung über die Tiefe der Möglichkeiten, am dritten Tag möchte man nicht mehr aufhören… Diese Zeit sollte man immer investieren.

Wir bieten zu jedem Verleih die Möglichkeit an, in unseren Räumen kostenlos zu üben. Dabei ist eine Einweisung immer enthalten.

--> Ohne diese Einweisung oder den Nachweis von Erfahrung werden Druckwindinstrumente nicht verliehen.
Klingen Harmonien unterschiedlich?

Ja, sehr. In der Entwicklung der rein französischen Klangkultur hat sich das Klangbild von einer frühen, sehr scharfen Ausprägung in 80 Jahren Entwicklung zunehmend gerundet. Die Faktoren liegen hier in den Rahmenstärken, dem Flankenwinkel der Zungenrahmen und natürlich der Beschaffenheit der Zungen selbst. Jedes Haus hatte (trotz gemeinsamen Zukauf der Zungen bei div. Herstellern) sein eigenes Klangbild. Durch die sogenannte ‚Euphonisation’ (= feines Fasen der Zungenrahmen) wurde der Ton ab ~ 1880 zusätzlich in seinem breit obertonreich angelegtem Klangspektrum ‚gerundet’.
In Deutschland und Österreich produzierte Druckwindharmonien besitzen häufig ganze Oktavplatten, wo mehrere Zungen zu einer Baugruppe zusammengefasst sind. Das Rahmenmaterial ist produktionstechnisch dünner, die Instrumente klingen weicher und besitzen eine geringere Tragekraft.
So wie Flügel und Klaviere sich über die Jahrzehnte klanglich entwickelt haben, gibt es beim Harmonium entsprechende vielschichtige klangliche Differenzierungen. Auch der klanglich - geschichtliche Prozess der Kirchenorgel spiegelt sich in der Klangentwicklung der Harmonien exakt wieder.
Nennen Sie uns Ihre Literatur, wir empfehlen dazu das passende Instrument.

Welche Register besitzt ein Harmonium? Wie wird registriert?

Nehmen wir als Beispiel die Basis, ein >Vierspiel<. Wie die Bezeichnung schon besagt, besitzt dieser Typus als Beispiel vier Register, beim Harmonium spricht man bei den Registern oder Klangfarben von >Spielen<.

Die Spiele sind immer zwischen Bass und Diskant getrennt, ein Vierspiel besitzt somit mind. 8 einzeln wählbare Klangfarben:

Nr. 1 = 8´ (weit), Nr. 2 = 16´, Nr. 3 = 4´, Nr. 4´ = 8´ (eng). Dieses System kann bis zur Nr. 8´ beim Kunstharmonium erweitert werden. Der Tastenumfang umfasst beim Druckwindharmonium C - c4, die Bass - Diskantteilung findet bei e´- f´ statt.

Besitzen Sie originale Literatur, werden Sie kleine Zahlen in den Noten finden, 1 – 4 (bei größeren Instrumenten ggfs. bis zur Nr. 8).
Die Nr. 1 ist beispielsweise der erste, grundlegende 8´, die Nr. 4 ist der ergänzende, zweite und engere 8´ usw. Dieses Nummern-System werden Sie bei allen unseren Instrumenten wieder finden.

Wie kräftig klingt ein solches Harmonium?

Nun, eine der häufigsten- aber auch schwierigsten Fragen. Fakt ist, dass wir heute eine andere Hörgewohnheit an das Thema Lautstärke besitzen, als es unsere Vorväter im vorigen Jahrhundert zur Entstehung der Druckwindinstrumente besessen haben.

Höreindrücke sind immer ohne Zweifel ebenso subjektiv, da gerade beim Druckwindharmonium weitaus andere Faktoren eine wichtige Rolle in der Beziehung Klang-Spieler-Raum Maßstäbe setzen. Um aber eine Einordnung zu geben, muss man bspw. wissen, dass das klassische Harmonium in Frankreich im Pedant zur großen Orgel auf der anderen Seite der Kirche in großen Chorräumen vielfach die stumm zelebrierte Messe im Kirchengeschehen begleitet hat.
Stellt man sich nun einen großen gotischen Chorraum einer Kirche vor, gefüllt mit feiner Musik, bekommt man einen guten Eindruck, was diese kleinen ‚Kisten’ an Klangkraft entwickeln.

Ein gut mensuriertes Druckwindinstrument entfaltet sich klanglich erst in einem großen Raum, jedoch nicht um den Faktor Lautstärke. Eine gute Schule für Spieler und Zuhörerer unserer moderen Zeit! Sie werden überrascht sein, wie still es in einem Konzert mit einem Harmonium ist.
Gibt es einen Gebläsemotor dazu?

Nein. Alle unsere Instrumente dienen zu dem Zweck maximaler musikalischer Ausdrucksfähigkeit, das ist ihre Bestimmung. Das Expressionsspiel ist eine Spielweise, welche über das reine ‚Bedienen’ von Tasten hinausgeht, der Interpret ist mit Händen, Füßen und seiner Atemführung als gesamter Organismus gefordert. Eine Gebläsemaschine würde dem vollkommen widersprechen.
Druckwindharmonium und Kunstharmonium?

Das Kunstharmonium ist ebenso ein Druckwindharmonium, es besitzt aber zu den vier Grundspielen eine erweiterte (ebenso standardisierte) Disposition und technische Ergänzungen zur Veränderung einzelner Klangfarben. Dazu kommt eine weitere Erfindung, die so genannte Doppelexpression. Sind diese Faktoren gegeben, spricht man von einem Kunstharmonium.
Die Doppelexpression finden wir als zwei Kniehebel unterhalb der Klaviatur. Beim klassischen Druckwindharmonium wirken die beiden Schöpfbälge (und ggfs. auch das Windmagazin) auf den gesamtem Tonumfang von C – c4.
Klappt man die beiden Kniehebel der Doppelexpression aus, wird der Wind zwischen Bass – und Diskant getrennt, genauer zwischen e´ und f´. Damit wird die in der Disposition angelegte Zweimanualigkeit dieser Instrumente auch dynamisch vollkommen. Gleichfalls erfordert es aber einen geübten Spieler, welcher sowohl das Expressionsspiel über die Bälge (Füße), als auch über die Kniehebel das dynamische Spiel ohne Nachdenken beherrscht. Hat man sich diese Technik aber erarbeitet, ist es aber an Faszination und Möglichkeiten kaum zu überbieten.
-->Grundsätzlich können diese Instrumente auch ohne die Doppelexpression bespielt werden, die Kniehebel bleiben eingeklappt.

Können sie das Harmonium für uns umstimmen?

Nein. Die durchschlagenden Zungen des Harmoniums besitzen keine Stimmvorrichtung. Dies begründet sich in der extrem kompakten Bauweise eines Druckwind-Zungenstockes.
Man kann nur durch behutsames Schaben an der Wurzel oder Spitze eine Zunge in der Tonhöhe in sehr begrenztem Umfang verändern, jedoch immer mit Materialabtrag (= ggfls. Bruchgefahr und auch Änderung der Charaktere). Daher sind Harmonien vom Grundsatz per se nicht stimmbar, das Stimmen ist ein einmaliger Arbeitsprozess.

Der Pariser Kammerton lag zur Entstehungszeit bei einer Tonhöhe von a1 = 437.5 Hz. Historische Instrumente besitzten daher (meist) eine tiefere Stimmung als heute gängig. Erst 1939 wurde der Kammerton auf a1 = 440 Hz angehoben, heute ist ein Kammerton a1 = 442 Hz üblich. In der Regel stimmen wir keine Instrumente um, da es immer einen massiven Eingriff (auch klanglich) an originalem Material bedeutet.

Außnahmen bestätigen diese Regel, manche Zungensätze resp. Instrumente lassen diesen Prozess aber doch zu bzw. besitzen original eine höhere Stimmung, so dass Ihnen verschiedene Stimmtonhöhen zur Auswahl stehen.
Was klingt im Harmonium?

Im Harmonium befinden sich auf Rahmen genietete Messingzungen, so wie man es auch vom Akkorden oder der Mundharmonika her kennt. Diese Zungen erzeugen durch Schwingung den Ton.
Drückt der Wind durch Öffnen des Tonventils gegen eine Zunge, wird sie nach außen gedrückt, solange bis ihre natürliche Federspannung den Umkehrweg zurück einleitet. Durch den hindurchströmenden Wind wird nun dieses wechselnde Federspiel in Gang gehalten. Diese Schwingung erzeugt unter Zuhilfenahme des Luftstromes den Ton. Eine große Zunge schwingt langsam und tief, eine kleine Zunge schwingt schnell und hoch.
Auch im Orgelbau fanden (und finden wieder!) durch-schlagende Zungen mit ihrem eigenen Charme und Charakter Verwendung.
Was ist ein Saugwindharmonium?

Im deutschsprachigen Raum kennen wir das geläufigere Saugwindharmonium meist von den Großeltern oder Tanten, wo es in der guten Stube, Betsaal oder mancher Kapelle ab 1900 zum guten Ton gehörte. Meist ist diesen Instrumenten ein etwas quäkender, in großem Räumen nicht sehr tragfähiger Ton zu entlocken. Bei diesen Instrumenten handelt es sich um ein Instrument nach dem amerikanischen Saugwindsystem, d.h. der Wind wird mittels eines Unterdruckes durch die Zunge hindurch in einen Magazinbalg hineingezogen. Dies begründet das typische in der Tragekraft reduzierte und charakteristische Klangbild, da die Musik quasi im Balg ‚verschwindet’. Der Magazinbalg ist (bis auf einzelne Ausnahmen) immer aktiv und kann nicht abgeschaltet werden. Das Treten des Windes wird somit auf die Notwendigkeit reduziert, Wind zu schöpfen. Ein dynamisches Spiel wie beim Druckwindharmonium findet nur bedingt statt. Die Fertigung und Bauweise der Zungen wurde technisch im Gegensatz zum Druckwindsystem verändert, was (mit) zum typischen Klangbild und Anspracheverhalten der Saugwindinstrumente beiträgt. Die Dispositionen unterscheiden sich in Aufbau und Handhabe zum Druckwindharmonium. Der Tastenumfang wurde erweitert und geht von Kontra F – f4.
Was ist ein Druckwindharmonium?

Das ursprüngliche, unter dem Namen ‚Harmonium’ patentierte Instrument stammt aus Paris und wurde durch François Debain 1842 unter diesem Namen mit vier Zungenspielen angemeldet. Beim Druckwindharmonium wird der Wind und Ton durch die Zunge nach außen in den Raum geführt. Damit unterscheidet es sich in der klanglichen Präsenz und Klangwirkung diametral vom System des später entwickelten Saugwindharmonium
(= amerikanisches System).
Der Tonumfang reicht von C - c4. Der wichtigste Zug beim Druckwindharmonium ist der Expressionszug. Ist dieser Zug gezogen, dienen ausschließlich die beiden Schöpfbälge zur Winderzeugung. Der Winddruck- ausgleichende Magazinbalg (= Windspeicher) wird mit dem Ziehen des Expressionszuges abgestellt. Wind steht somit nur zur Verfügung, wenn auf einen der beiden Tretschemel Druck ausgeübt wird, es wird kein Windvorrat mehr im Instrument gespeichert. Die Zunge reagiert in gleicher Konsequenz 1:1 auf die Bewegung der Füße, feinste dynamische Abstufungen sind möglich!
Dieses Expressionsspiel erfordert viel Übung, ist aber der das zentrale Thema und der eigentliche Anlass gewesen, das Harmonium zu entwickeln. Der Spieler agiert mit den Händen und seinen Füßen, beide machen mit einer guten Atemführung Musik.